Prof. Dr. Pia Wülfing, Brustkrebsexpertin und Gründerin von PINK!, enthüllt Wahrheiten
Vielleicht kennst du das: Man hört von Brustkrebs und sofort schießen Fragen durch den Kopf.
Bin ich selbst gefährdet? Könnte es erblich sein? Sollte ich meine Ernährung umstellen oder sogar Zucker weglassen? Kein Wunder, dass viele unsicher werden – schließlich trifft Brustkrebs in Deutschland jede achte Frau im Laufe ihres Lebens.
Gerade jetzt lohnt es sich, hinzuschauen: Oktober ist Brustkrebsmonat — der internationale „Breast Cancer Awareness Month“ (BCAM). Weltweit rücken Aktionen und die rosa Schleife (Pink Ribbon) das Thema in den Fokus, um aufzuklären, Hoffnung zu geben und Betroffene zu unterstützen.
Die gute Nachricht: Die Medizin ist heute so weit wie nie zuvor, die Heilungschancen sind hoch, und vieles, was wir über Brustkrebs glauben, ist längst überholt.
Lass uns gemeinsam Mythen entlarven und Klarheit schaffen. Prof. Dr. Pia Wülfing, Brustkrebsexpertin und Gründerin von PINK!, beantwortet die wichtigsten Fragen, räumt mit Irrtümern auf und zeigt, wie Wissen Mut machen und Angst nehmen kann – für alle, die Vorsorge treffen wollen oder gerade mitten in der Diagnose und Therapie stehen.
Mythos 1: Wenn die Mutter Brustkrebs hatte, erkrankt auch die Tochter
Eine familiäre Häufung von Brustkrebs bedeutet nicht automatisch, dass weitere Familienmitglieder ebenfalls erkranken müssen. Doch lediglich fünf bis zehn Prozent werden genetisch vererbt, z. B. über eine Mutation der Brustkrebs-Gene BRCA1 und BRCA2. Insbesondere wenn die Brustkrebsdiagnose der Familienmitglieder im Alter von unter 50 Jahren gestellt wurde, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Brustkrebs vererbt werden könnte, erhöht. Dabei ist zu beachten, dass erbliche Risikogene auch über die väterliche Linie weitergegeben werden.
Tipp: Früherkennung ist das A und O: Brustkrebs lässt sich in einem sehr frühen Tumorstadium diagnostizieren und therapieren. Bei familiärem Brustkrebs wird empfohlen, ab dem Alter von 25 Jahren mit dem Programm zu beginnen und sich genetisch testen zu lassen. Wird Brustkrebs im Frühstadium entdeckt, liegen die Heilungschancen bei mindestens 85%.
Mythos 2: Zucker füttert den Krebs – man kann Tumore durch Fasten aushungern
Krebszellen brauchen zwar viel Glukose, aber gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass man Tumore durch striktes Zuckerfasten oder Diäten wie Keto „aushungern“ kann. Die Krebszellen sind clever und können auf andere Energiequellen ausweichen. Außerdem ist die Keto-Diät, bei der man auf Kohlenhydrate verzichtet, nicht ganz unbedenklich: durch die verhältnismäßig hohe Fett- und Eiweißzufuhr kann sich das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen. Wer hingegen auf komplexe Kohlenhydrate mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten & Co. achtet, tut zugleich etwas für seine Darmgesundheit und sein Immunsystem.
Tipp: Viel wichtiger als das Verteufeln von Lebensmitteln oder Nährstoffen ist für Brustkrebspatientinnen eine ausgewogene, vollwertige, vielseitige und bedarfsgerechte Ernährung. Betroffene können sich zum Thema Lebensstil durch ein zertifiziertes, digitales Medizinprodukt (DiGA) unterstützen lassen – sogar auf Rezept.
Mythos 3: Eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren erhöht immer das Risiko für Brustkrebs
Es gibt unterschiedliche Studienergebnisse zur Erhöhung des Brustkrebsrisikos durch kombinierte Hormonersatztherapien (HRT), die bei Beschwerden in den Wechseljahren angewandt werden. Wir gehen nach aktueller Studienlage davon aus, dass das Brustkrebsrisiko geringer ist, als noch vor vielen Jahren angenommen – sofern die Therapie weniger als fünf Jahre dauert. Es verbleibt ein gering erhöhtes Risiko, das nach heutigem Stand vergleichbar ist mit dem Risiko von Frauen, die ein Glas Wein am Tag trinken. Gut zu wissen: das bei Scheidentrockenheit eingesetzte vaginale Östrogen in Zäpfchenform kann ohne Bedenken eingesetzt werden.
Tipp: Eine Hormonersatztherapie sollte immer mit den behandelnden Ärzt:innen besprochen und die Vorteile und Risiken individuell abgewogen werden. Frauen mit überstandenem Brustkrebs wird generell von systemischen Hormontherapien abgeraten.
„Wir gehen nach aktueller Studienlage davon aus, dass das Brustkrebsrisiko geringer ist, als noch vor vielen Jahren angenommen (…)“
Mythos 4: Brustkrebs-Betroffene müssen sich körperlich schonen
Das Gegenteil ist der Fall. Wenn es keine anderen Gründe dafür gibt, sich zu schonen, kann körperliche Bewegung den Verlauf der Brustkrebs-Erkrankung positiv beeinflussen. Zahlreiche Studien bestätigen, dass individuell angepasste Bewegungsintensitäten von enormer Bedeutung sind. Körperliche Aktivität kann effektiv dazu beitragen, die Fitness zu verbessern und Nebenwirkungen der Therapie zu reduzieren. Sport hat auch bei leichter Intensität positive Effekte auf Erschöpfung bzw. Fatigue sowie auf Osteoporose, Schlafstörungen und die mentale Gesundheit – um nur einige Beispiele zu nennen.
Tipp: Bewährt haben sich Aktivitäten wie Yoga (kann man gut zu Hause machen), Krafttraining (schützt u.a. die Knochen und unterstützt die mentale Stärke), Walking oder Fahrradfahren (hilft z.B. bei Fatigue).
Mythos 5: Übelkeit und Haarausfall sind bei der Chemotherapie normal
Auch wenn eine Chemotherapie immer noch viele Nebenwirkungen verursacht, ist sie heutzutage deutlich besser verträglich als noch vor vielen Jahren. Wie stark die Nebenwirkungen sind, hängt zudem von der Dosierung der Medikamente, der Dauer der Chemotherapie und der allgemeinen gesundheitlichen Verfassung der Patientinnen ab. Gegen Übelkeit und Erbrechen stehen gut wirksame Begleitmedikamente zur Verfügung, die jeweils vor der Therapie verabreicht werden. Mit Haarausfall müssen nach wie vor die meisten Patientinnen rechnen. Eine spezielle Kältehaube kann den Haarverlust deutlich verringern oder sogar verhindern. Übrigens: Derzeit werden neue Medikamente entwickelt, die noch gezielter die Tumorzellen treffen und gesunde Zellen weitgehend “verschonen” sollen.
Tipp: Heute weiß man, dass Betroffene für ein besseres Wohlbefinden unter der Therapie selbst etwas tun können. Dazu gehört ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und einer bedarfsgerechten Ernährung. Zuverlässige Infos gibt’s in einer wissenschaftlich geprüften „App auf Rezept“
Mythos 6: Naturheilverfahren spielen bei der Brustkrebstherapie keine Rolle
Bestimmte Naturheilverfahren können durchaus Symptome lindern, die Lebensqualität verbessern und die Selbstheilungskräfte unterstützen. Wichtig: Sie ersetzen keine Krebstherapie, sondern begleiten sie. In der Fachsprache nennen wir das Komplementärmedizin. Um keine falschen Hoffnungen zu wecken, sollte darauf geachtet werden, dass die Mittel oder Verfahren ihre Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen haben. Gut erforscht ist beispielsweise die Misteltherapie, die unter anderem bei Erschöpfung unterstützen kann.
Tipp: Egal, für welche Naturheilverfahren man sich interessiert: die Anwendung sollte mit den behandelnden Ärzt:innen abgeklärt werden, auch um Wechselwirkungen mit den Brustkrebsmedikamenten auszuschließen.
„Bestimmte Naturheilverfahren können durchaus Symptome lindern, die Lebensqualität verbessern und die Selbstheilungskräfte unterstützen. Wichtig: Sie ersetzen keine Krebstherapie, sondern begleiten sie.“
Mythos 7: Mit der psychischen Belastung durch die Diagnose müssen Betroffene allein klarkommen
Keine Patientin muss heutzutage allein mit den psychischen Belastungen der Diagnose und Therapie fertig werden. Im Gegenteil: Es gibt spezialisierte Unterstützung – die sogenannte psychoonkologische Begleitung. Viele Frauen erleben in dieser Situation eine Achterbahn der Gefühle: Angst, Überforderung, Hilflosigkeit, der Verlust von Sicherheit und Unbeschwertheit. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen ist diese seelische Belastung so stark, dass sie professionelle Unterstützung brauchen – vergleichbar mit einer psychischen Erkrankung wie einer Depression oder Angststörung. Das ist nichts Ungewöhnliches – und vor allem: Es gibt Hilfe.
Tipp: Studien mit Brustkrebspatientinnen zeigen, dass Achtsamkeitsschulung helfen kann, weniger niedergeschlagen und zuversichtlicher durch diese schwierige Zeit zu kommen. Zehn Minuten sind für den Anfang völlig ausreichend. Einfach mal ausprobieren!
Und oder durch Unterstützung eines Vereines z.B.:
LebensHeldin! e.V. ist die erste gemeinnützige Organisation im deutschsprachigen Raum, die Frauen mit Krebs und ihre Familien auf ihrem seelischen Weg begleitet – auch nach der Behandlung.
Mythos 8: Brustkrebspatientinnen dürfen kein Soja essen
Dieser Glaube hält sich bis heute hartnäckig, ist aber ein Mythos. Es stimmt zwar, dass Sojaprodukte Stoffe enthalten, die dem Östrogen in ihrer Struktur ähnlich sind. Doch die Befürchtung, dass sie dadurch wachstumsfördernd auf hormonsensible Tumoren wirken, hat sich nicht bestätigt. Große Studien haben gezeigt, dass Betroffene Soja in verzehrüblichen Mengen ohne Bedenken essen können.
Tipp: Ein bis zwei Portionen sojahaltiger Nahrungsmittel pro Tag (Isoflavongehalt ca. 25 – 50 mg) gelten auch für Brustkrebspatientinnen als unbedenklich. Eine Portion entspricht etwa 100 g Tofu oder 250 ml Sojamilch.
Mythos 9: Digitale Therapie bei Brustkrebs? Gibt’s doch gar nicht…
Doch, das gibt’s: Die App PINK! Coach ist ein zertifizierter, wissenschaftlich fundierter digitaler Begleiter in der Brustkrebstherapie und Nachsorge. Das zertifizierte Medizinprodukt unterstützt Brustkrebspatientinnen in den Bereichen Ernährung, Sport und mentale Gesundheit. So hilft die App, das Nebenwirkungs-Management zu verbessern, psychische Belastungen zu reduzieren und eine mögliche Gewichtszunahme durch die Behandlung zu minimieren oder gar zu stoppen. PINK! Coach ist als einzige digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für Brustkrebspatientinnen im DiGA-Verzeichnis gelistet. Das bedeutet, dass die Wirksamkeit klinisch bestätigt ist und PINK! Coach von Ärztinnen und Ärzten auf Rezept verordnet werden kann.
Tipp: Jetzt anmelden: PINK! Kongress Digital
Am 21. November 2025 findet zum vierten Mal der PINK! Kongress Digital in Hamburg statt. Kostenfrei können Betroffene zahlreiche Expertenvorträge rund um das Thema Brustkrebs online verfolgen und Fragen stellen – ganz bequem von zu Hause aus. Journalistinnen und Journalisten sind herzlich willkommen. Wir freuen uns auch über einen redaktionellen Hinweis. Du hast Lust teilzunehmen? Hier anmelden.
„Brustkrebspatientinnen dürfen kein Soja essen – Dieser Glaube hält sich bis heute hartnäckig, ist aber ein Mythos.“
Früherkennung rettet Leben: 85 % Heilungschance bei Brustkrebs
Mindestens 85 Prozent beträgt die Heilungschance bei Brustkrebs, wenn er im Frühstadium entdeckt wird. „Deshalb ist Früherkennung das A und O“, so Prof. Pia Wülfing. „Dazu gehört, dass die Frauen ihre Brust abtasten und die jährliche Krebsvorsorge beim Frauenarzt wahrnehmen. Für Frauen zwischen 50 und 75 Jahren übernehmen die Krankenkassen alle zwei Jahre die Kosten für eine Mammographie. Ein Viertel der Brustkrebs-Todesfälle lässt sich durch das Mammographie-Screening verhindern. Wer den Brustkrebs in einem frühen Stadium entdeckt, hat nicht nur höhere Überlebenschancen, auch die Therapie kann oft schonender durchgeführt werden als bei einem fortgeschrittenen Krebs.”
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Weitere Infos zu Frau Prof. Dr. Pia Wülfing, Fachärztin für Gynäkologie, Brustkrebsexpertin und Gründerin von PINK!, findest du hier: pink-brustkrebs.de oder auf Instagram @pinkaktivgegenbrustkrebs
Foto: PINK!


