Ich hab mich selbst nicht wiedererkannt: Was die Wechseljahre mit meinem SELBSTWERT gemacht haben

Feb. 8, 2026

+++ Danielas Meno-Diary +++

Man sagt immer, in den Wechseljahren verändert sich der Körper. Was viel seltener gesagt wird: Man beginnt, sich selbst infrage zu stellen. Nicht laut oder plötzlich, sondern leise, fast unbemerkt.
Plötzlich geht es nicht mehr nur um Hormone, Schlaf oder Hitze, sondern um etwas Tieferes: um SELBSTWERT. Um die Frage, ob man sich selbst noch traut oder beginnt, sich anzupassen. Ich habe das an einem scheinbar banalen Moment gemerkt – beim Brillenkauf. Ich stand vor klaren, kantigen Modellen mit Präsenz und hörte mich sagen, dass ich etwas Weicheres suche. Nicht, weil ich das wollte, sondern weil ich mich fragte, wie ich wirke.
Erst später wurde mir klar: Das war kein Stilthema. Es war ein Selbstwert-Thema. Die Wechseljahre hatten mir meine Stärke nicht genommen, sie hatten sie leiser gemacht. Und in dieser Leise beginnt man, sich zu verändern, ohne es zu merken. Dieser Text ist keine Anleitung, sondern eine ehrliche Geschichte darüber, wie ich mich selbst eine Zeit lang nicht wiedererkannt habe – und wie ich langsam wieder bei mir angekommen bin.

Dieses leise Gefühl, dass etwas nicht stimmt

Ich habe mich selbst nicht wiedererkannt.
 Und ich glaube, das ist etwas, worüber viel zu selten gesprochen wird. Nicht dieses laute „Ich bin unglücklich“. 
Sondern dieses leise Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmt.
 Dass man zwar noch da ist, aber sich selbst nicht mehr richtig greifen kann.

Bei mir wurde das ausgerechnet beim Brillenkauf klar.

 

Eine Kooperation, die sich eigentlich richtig angefühlt hat

Ich hatte eine Kooperation, auf die ich mich wirklich gefreut habe. Eine von diesen Kooperationen, bei denen man nicht überlegen muss, ob sie passt. Meine letzten zwei Brillen waren auch von VIU, ich trage sie schon lange im Alltag, ich mag die Marke. Es fühlte sich richtig an. Stimmig. So, wie man sich das wünscht.

Also bin ich mit einer Freundin in den Brillen-Store gegangen, voller Vorfreude. Ich habe probiert, gelacht, mich im Spiegel betrachtet. Und da waren sie: Diese Brillen, die Präsenz haben. Eckig, kantig, dunkel. Brillen mit Haltung. Brillen, bei denen man denkt: Diese Frau weiß, wer sie ist. Und ich fand sie großartig.

Und dann kam dieses Zögern


Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie in mir etwas gezögert hat. Nicht laut, nicht bewusst. Eher wie ein leiser Widerstand. Ich hörte mich sagen, dass kurze dunkle Haare ja schnell streng wirken. Dass eckige Brillen hart machen. Dass man dann so bossy aussieht. Und dass ich eigentlich etwas Weicheres suche. Etwas Freundlicheres. Etwas, das mehr schmeichelt.

In dem Moment dachte ich noch, ich treffe einfach eine Stilentscheidung. Heute weiß ich: Es war eine Selbstwert-Entscheidung.

„In dem Moment dachte ich noch, ich treffe einfach eine Stilentscheidung. Heute weiß ich: Es war eine Selbstwert-Entscheidung.“

Ich habe die „weichere“ Brille gewählt

Ich habe mich für eine Brille entschieden, die mein Gesicht weicher macht. Rundere Formen, gesprenkelt, weniger klar, weniger kantig. Sie steht mir, keine Frage. Aber ich habe sie gewählt, weil ich mich in diesem Moment nicht getraut habe, die andere zu nehmen. Die, die eigentlich genau mein Gefühl getroffen hätte.

Erst Wochen später, als ich die Brille jeden Tag getragen habe, kam diese Frage in mir hoch: Warum war ich mir eigentlich so unsicher?

Ich habe mich für eine Brille entschieden, die mein Gesicht weicher macht.

Wenn Selbstwert leise wird, wird alles komplizierter

Ich kenne mich anders. Ich war immer jemand, der schnell wusste, was passt. Entscheidungen waren kein Thema. Ob es um Kleidung ging, um Termine oder um Alltägliches – ich hatte ein gutes Gespür für mich. Und plötzlich war das weg. Ich habe über Pullis nachgedacht, über Farben, über Kleinigkeiten. Ich habe gezögert, wo ich früher klar war. Selbst bei banalen Dingen wie dem Abendessen habe ich gemerkt, dass ich mich selbst nicht mehr richtig höre.

Rückblickend sehe ich: Mein Selbstwert war leise geworden.

 

Das Außen wird plötzlich lauter

Der Selbstwert war nicht verschwunden. Aber nicht mehr tragfähig. Und wenn der Selbstwert leise wird, fängt man an, sich selbst zu regulieren. Man fragt sich, wie man wirkt. Ob man zu viel ist. Ob man sich anpassen sollte. Ob man vielleicht wieder längere Haare haben müsste, weil das „weiblicher“ ist. Ich kann kaum glauben, dass ich das wirklich gedacht habe – und doch war dieser Gedanke da.

Nicht, weil ich ihn wirklich geglaubt habe. Sondern weil ich mir selbst gerade nicht mehr vertraut habe.

„Niemand kann Dir ein Minderwertigkeitsgefühl aufzwingen ohne Deine Bereitschaft dazu.“

Eleanor Roosevelt (Politikerin)

Ich bin den Weg nicht alleine gegangen

Die Wechseljahre haben bei mir nicht nur körperlich etwas verändert, sondern auch innerlich. Mein Selbstbild war nicht mehr stabil. Und das hat mich mehr verunsichert als alles andere. Ich habe gemerkt, dass ich diesen Weg nicht alleine gehen möchte, und mir Unterstützung geholt. Nicht, weil ich kaputt war – sondern weil ich mich selbst wiederfinden wollte.

Und das ging nicht schnell. Es ging langsam. In kleinen Schritten. Über Monate. Eigentlich über Jahre.

Die Brille war nie das Thema

Heute trage ich oft die andere Brille. Die, bei der meine Freundin sagt, sie sei irgendwo zwischen Serienmörder- und Porno-Brille. Und jedes Mal, wenn ich sie aufsetze, spüre ich dieses kleine innere „Ja“. Dieses Gefühl von Stimmigkeit. Nicht weichgespült, nicht angepasst – sondern echt.

Die Brille war nie das Thema.
Sie war nur der Moment, in dem mir klar wurde, wie sehr mein Selbstwert gewackelt hat.

Ich erkenne mich wieder

Ich erkenne mich wieder. Nicht genauso wie früher, aber vertraut. Klarer. Geduldiger. Und ehrlicher mit mir selbst. Ich weiß heute: Selbstwert bedeutet nicht, immer sicher zu sein. Selbstwert bedeutet, sich selbst wieder zuzuhören. Und sich zu erlauben, genau so da zu sein, wie man ist.

Vielleicht erkennst du dich gerade auch nicht wieder.
Dann bist du nicht falsch.
Du bist mitten in einer Veränderung.

Und irgendwann – leise, unspektakulär – stehst du wieder bei dir.
 Nicht wie früher. Sondern echter.
Wenn dich dieser Text berührt hat und du merkst, dass dein Selbstwert gerade auch leise geworden ist: Du musst da nicht alleine durch. Manchmal hilft es, den eigenen Weg begleitet zu gehen – so wie ich es getan habe.

„Ich erkenne mich wieder. Nicht genauso wie früher, aber vertraut. Klarer. Geduldiger. Und ehrlicher mit mir selbst. Ich weiß heute: Selbstwert bedeutet nicht, immer sicher zu sein. SELBSTWERT bedeutet, sich selbst wieder zuzuhören.“

Heute trage ich oft meine Serienmörder- und Porno-Brille und fühle mich sehr wohl damit.

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