Ein Gespräch mit Frau Dr. med. Padia Rasch, leitende Ärztin im Fachkurhaus Seeblick, über die Veränderungen in den Wechseljahren.
Artikel in Kooperation mit dem Fachkurhaus Seeblick
Viele Frauen bemerken ab einem gewissen Alter, dass ihr Körper sich verändert: Gewichtszunahme, Energielosigkeit, Schlafprobleme oder Gelenkschmerzen treten auf – und oft heißt es, der „Stoffwechsel wird langsamer“. Aber was steckt wirklich dahinter?
Darüber habe ich mit Frau Dr. Rasch gesprochen. Die erfahrene Fachärztin für Allgemeinmedizin verbindet klassische Medizin mit Naturheilverfahren und ist Expertin für Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin. Im Interview erklärt sie, warum Hormone in dieser Lebensphase so entscheidend sind, welche Rolle Ernährung und Bewegung spielen – und wie Frauen aktiv gegensteuern können.
Die gute Nachricht: Jede Frau kann ihren Stoffwechsel wieder ins Gleichgewicht bringen – und damit neue Energie, Leichtigkeit und Vitalität gewinnen
Was ist der Stoffwechsel?
Der Stoffwechsel – auch Metabolismus genannt – umfasst alle biochemischen Vorgänge in unserem Körper. Er sorgt dafür, dass aus Nahrung Energie und Bausteine entstehen, die wir zum Denken, Bewegen, Wachsen und für Reparaturprozesse brauchen
Man unterscheidet dabei zwei Hauptbereiche:
- Energiestoffwechsel: wandelt Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß in Energie um.
- Baustoffwechsel: stellt daraus Zellen, Hormone und Enzyme her.
Unser Stoffwechsel ist sehr anpassungsfähig: Er reagiert auf Alter, Hormone, Ernährung, Bewegung – aber auch auf Stress. Gerät er aus dem Gleichgewicht, spüren wir das oft durch Müdigkeit, Gewichtszunahme oder andere Beschwerden.
Kurz gesagt: Der Stoffwechsel ist das Kraftwerk unseres Körpers. Ohne ihn läuft nichts – im wahrsten Sinne des Wortes.
dieAlte: Es heißt oft, der Stoffwechsel wird mit zunehmendem Alter langsamer. Stimmt das, und warum ist das so?
Dr. med. Padia Rasch: Der Stoffwechsel verändert sich im Laufe des Lebens – sei es durch das Älterwerden oder die Wechseljahre. Entscheidend ist, zu verstehen, was sich genau verändert. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, doch an erster Stelle stehen die Hormone.
Das wichtigste Hormon, das in dieser Zeit deutlich abnimmt, ist Östrogen. Es beeinflusst zahlreiche Prozesse im Stoffwechsel, und sein Rückgang löst Veränderungen aus, die wir oft erst spät wahrnehmen. Eine der zentralen Folgen ist die Entwicklung einer Insulinresistenz: Der Zuckerstoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht, die Aufnahme von Glukose in die Zellen ist gestört. Das betrifft vor allem Muskeln und Leber.
Viele Frauen – wenn auch nicht alle – nehmen in dieser Phase an Gewicht zu. Gleichzeitig treten Symptome auf, die für sie neu und oft unerklärlich sind: Schlafstörungen, starkes nächtliches Schwitzen oder Gelenkschmerzen, die zunächst nicht immer mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht werden.
Besonders problematisch ist die Zunahme von Bauchfett. Dieses viszerale Fett gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Störungen im Fettstoffwechsel. Auch Osteoporose rückt in den Fokus: Sie kann schon Jahre vor den Wechseljahren beginnen und sich noch lange danach bemerkbar machen. Dazu kommen deutliche Veränderungen im Zucker- und Fettstoffwechsel. Viele Frauen nehmen zu, ohne dass sie ihren Lebensstil geändert haben – was verständlicherweise zu Verunsicherung führt.
Darum ist es wichtig, genau hinzuschauen: Welche hormonellen Veränderungen liegen vor? Welche Stoffwechselparameter lassen sich messen? Gibt es Mikronährstoffdefizite? Die Zusammenhänge sind komplex – und gerade deshalb ein immer wichtigeres Thema in der modernen Medizin.
„Der Stoffwechsel ist komplexer, als viele denken.“
Und was bedeutet das für den Energieverbrauch von Frauen in den Wechseljahren?
Unsere Hormone steuern den Energiestoffwechsel. Meistens sprechen wir über Östrogen und Progesteron. Aber es gibt noch weitere wichtige Hormone, die weniger erwähnt werden: Testosteron, das auch Frauen brauchen, und die Nebennierenhormone Cortisol und DHEA. Alle sind entscheidend für die Energiebereitstellung.
Wir können die Energieproduktion gezielt unterstützen – heute spricht man von „Better Aging“. Das gelingt unter anderem mit Stoffen wie Q10, Carnitin oder Vitamin B12, die direkt an der Energiebildung in den Zellen beteiligt sind.
Kann man eigentlich messen, ob der Stoffwechsel gut oder schlecht funktioniert?
Ja, das geht. Wir sprechen vom metabolischen Status. Dabei messen wir verschiedene Parameter: die antioxidative Kapazität, Magnesium, Vitamin B6 – beide sind sehr wichtig im hormonellen Kreislauf –, aber auch Q10 und den Omega-3-Index. Letzterer ist entscheidend für die Zellfunktion und Regeneration.
Wir messen zudem weniger bekannte Werte, die in der klassischen Medizin leider selten berücksichtigt werden, wie zum Beispiel die Oxidation am LDL-Cholesterin oder den Homocysteinspiegel. Dabei handelt es sich um sehr wichtige Marker, die viel über den Stoffwechsel aussagen. All das sind Parameter, die wir in einer erweiterten Diagnostik messen können.
„Wir können die Energieproduktion gezielt unterstützen – heute spricht man von „Better Aging“. Das gelingt unter anderem mit Stoffen wie Q10, Carnitin oder Vitamin B12, die direkt an der Energiebildung in den Zellen beteiligt sind.“
Und dann können Sie daraus ableiten, ob der Stoffwechsel gut funktioniert oder ob nachjustiert werden muss?
Genau. Wir können so die Energieproduktion und die Funktion der Mitochondrien – also der Kraftwerke der Zellen – beurteilen. Wir sehen auch, wie gut die Zellen geschützt sind. Und wir erkennen Risikofaktoren, denn die Wechseljahre sind eine Phase, in der Frauen ein erhöhtes Risiko haben für Gewichtszunahme, metabolisches Syndrom oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch das Risiko für Osteoporose steigt, wie schon erwähnt.
Mit der richtigen Diagnostik können wir frühzeitig gegensteuern und damit sehr viel erreichen.
Was empfehlen Sie Frauen in Bezug auf Ernährung und Bewegung, um den Stoffwechsel in den Wechseljahren aktiv zu unterstützen?
Eine gesunde Ernährung ist die Basis – nicht nur in den Wechseljahren, aber hier besonders wichtig. Frauen sollten auf Folgendes achten:
- Eiweißzufuhr: etwa 1,2 g pro Kilogramm Körpergewicht.
- Ballaststoffe in ausreichender Menge.
- Wertvolle Fette wie Omega-3 und Omega-6. Besonders wichtig ist die Gamma-Linolensäure, ein Omega-6-Fett, das für das hormonelle Gleichgewicht eine Rolle spielt.
- Eine ausgewogene Ernährung mit gesunden Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß.
Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Muskelfunktion mit Mikronährstoffen – vor allem Magnesium – gut versorgt wird.
Viele Frauen möchten Sport treiben und gleichzeitig Stress im Alltag bewältigen. Hier sind Kraft- und Ausdauersport ideal.
Welchen Stellenwert hat die Entgiftung für einen gesunden Stoffwechsel?
Die Entgiftung ist sehr wichtig. Wir sind heute vielen Umweltbelastungen ausgesetzt – oft auch solchen, die wir gar nicht wahrnehmen. Diese können unseren Hormonhaushalt massiv beeinflussen.
Darum müssen wir die Leber, die Nieren und den Darm unterstützen. Gerade der Darm spielt eine Schlüsselrolle, er ist für etwa 50 % der Entgiftung verantwortlich. Jedes Organ braucht dafür seine Baustoffe und Mikronährstoffe – und auch Hormone. Ohne eine ausreichende Versorgung können wir nicht gesund bleiben.
Was sind die größten Fehler, die Frauen im Hinblick auf ihren Stoffwechsel machen?
Ich würde gar nicht sagen, dass Frauen Fehler machen. Das Problem ist eher, dass viele gar nicht wissen, wie wichtig die Hormone sind – und wie stark Mikronährstoffe auf das hormonelle Gleichgewicht wirken.
Ein weiterer Punkt ist das Bauchfett. Viele Frauen nehmen an viszeralem Fett zu – und das ist langfristig ein Risikofaktor. Die meisten versuchen, mit Diäten gegen das Bauchfett anzukämpfen – doch Crash-Diäten sind kontraproduktiv. Es geht vielmehr um langfristige Anpassungen bei Ernährung, Bewegung und Nährstoffversorgung.
Danke für das tolle und super informative Interview, Frau Dr. Rasch!
„Das Problem ist eher, dass viele gar nicht wissen, wie wichtig die Hormone sind – und wie stark Mikronährstoffe auf das hormonelle Gleichgewicht wirken. “
Gibt es einen einfachen Tipp, wie Frauen ihren Stoffwechsel im Alltag anregen können?
Jede Frau ist individuell, daher gibt es kein Universalrezept. Grundsätzlich empfehle ich: ausgewogene Ernährung, Bewegung, Stressabbau – und eine gezielte Diagnostik, um Defizite rechtzeitig auszugleichen. So kann jede Frau langfristig ihre Gesundheit und ihren Stoffwechsel stabil halten.
Also, der Stoffwechsel ist komplexer, als man denkt?
Ja, genau. Man kann den Stoffwechsel nicht isoliert sehen – er hängt immer mit dem Immunsystem, dem Nervensystem und auch mit der Psyche zusammen. Alles greift ineinander. Deshalb schauen wir uns im Zweifel nicht nur den Stoffwechsel selbst an, sondern messen auch bestimmte Hormone. So bekommen wir ein wirklich vollständiges Bild.
Fazit
Der Stoffwechsel ist kein starres System – er reagiert sensibel auf Hormone, Nährstoffe und unseren Lebensstil. In den Wechseljahren kann dieses Zusammenspiel leicht ins Ungleichgewicht geraten. Viele Frauen spüren das als „langsamer werdenden Stoffwechsel“. Der sinkende Östrogenspiegel spielt dabei eine große Rolle und wirkt sich direkt auf Gewicht, Energie und Wohlbefinden aus.
Die gute Nachricht: Man ist dem nicht ausgeliefert. Mit gezielter Diagnostik, einer guten Versorgung mit Mikronährstoffen, die auf den persönlichen Bedarf abgestimmt ist, und bewussten Entscheidungen bei Ernährung, Bewegung und Stress lässt sich der Stoffwechsel stabilisieren. So können die Wechseljahre sogar zu einer Chance für neue Energie und Vitalität werden.
Hormone & Mikronährstoffe: Schlüssel zum Stoffwechsel
Hormone steuern den Fettabbau: Ob wir Fett verbrennen oder speichern, hängt von einem Zusammenspiel aus Gehirn, Hormonen und Signalstoffen ab.
Lebensstil entscheidet mit: Schlaf, Bewegung und Stress beeinflussen die Hormonproduktion und damit auch den Stoffwechsel.
Mikronährstoffe sind Helfer: Bestimmte Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren und sekundäre Pflanzenstoffe sind unverzichtbar für die Regulation von Hormonen und die Produktion von Energie.
Wichtige Mikronährstoffe:
- B-Vitamine (B6, B12), Vitamin C, Selen, Zink, Kupfer
- Aminosäuren wie Tyrosin, Phenylalanin, Glutamin
- Omega-3-Fettsäuren für die Zell- und Hormonfunktion
Lust auf mehr Energie und einen Stoffwechsel-Reset ohne Diätstress? Lies meinen Erfahrungsbericht aus dem Fachkurhaus Seeblick: „Longevity statt Jo-Jo-Effekt – wie eine Stoffwechselkur meinen Blick auf Ernährung und Energie verändert hat“.
Weitere Infos zu Frau Dr. med. Padia Rasch – leitende Ärztin im Fachkurhaus Seeblick, findest du hier: www.seeblick-berlingen.ch oder Ernaehrungsprogramm-3-Phasen
Fotos: D. Unterstab


