Die meisten wachsen in den Wechseljahren. Aber warum? Auch das Gewebe verändert sich. Ist das normal? Und wenn sie schmerzen, ist das ein Alarmsignal? Tatsächlich bereiten die Brüste vielen Frauen rund um die Perimenopause Kopfzerbrechen. Damit es dir nicht so geht, hat dieAlte mit Dr. med. Chressen Regier, Radiologin und Spezialistin für Brustbildgebung gesprochen. Im Interview erklärt die Fachärztin, unter anderem, wie wichtig Mammographie und Ultraschall sind, was sie über die Hormonersatztherapie (HRT) denkt und worauf jede Frau bei ihren Brüsten achten sollte.
Dr. med. Chressen Regier ist es eine Herzensangelegenheit aufzuklären – und das macht sie unter anderem auch mit der Journalistin Hanne Marie Seidl (43) auf dem gemeinsamen Insta-Channel Disco-Östrogeni. Hier könnt noch mehr Infos zu den Themen „Hormone“ und „Frauengesundheit ab Mitte 30″ erfahren. Alles immer unter dem Motto: „Grow older but make it disco!“.
Also, erst den Artikel auf dieAlte lesen und dann „tanzt“ mal rüber zu Disco-Östrogeni – denn je mehr du über die Wechseljahre weißt, desto weniger Kopfzerbrechen bereiten sie dir!
dieAlte: Welche Auswirkungen haben die Wechseljahre auf die Brustgesundheit einer Frau?
Dr. Chressen Regier: Die Wechseljahre gehen mit starken hormonellen Veränderungen einher, die Einfluss auf unser Brustgewebe haben. Viele Patientinnen ab 40, die zu mir in die Sprechstunde kommen, leiden an einer vermehrten Schmerzhaftigkeit der Brüste. Der Grund hierfür ist meist der sinkende Progesteronspiegel, der mit einer zyklusabhängigen vermehrten Flüssigkeitseinlagerung in den Brüsten einhergeht. Es finden in dieser Zeit auch strukturelle Veränderungen des Brustgewebes statt.
Können die Wechseljahre Veränderungen in der Bruststruktur oder im Brustgewebe verursachen?
Ja, die Hormonumstellung in den Wechseljahren hat einen großen Einfluss auf das Brustgewebe. Während der frühen Perimenopause, wenn der Östrogenspiegel noch hoch bleibt, der Gegenspieler Progesteron aber bereits langsam sinkt, kommt es bei vielen Frauen zu einer sog. Östrogendominanz. Hierunter kommt es vermehrt zur Bildung von zystischen Veränderungen des Brustgewebes. Mit Fortschreiten der Perimenopause und sinkendem Östrogenspiegel, bildet sich das Drüsengewebe zurück und wird durch Fettgewebe ersetzt, die „Brustdichte“ nimmt ab. Das hat den Vorteil, dass die Brust in der Mammographie besser beurteilbar wird.
„Viele Patientinnen ab 40, die zu mir in die Sprechstunde kommen, leiden an einer vermehrten Schmerzhaftigkeit der Brüste. Der Grund hierfür ist meist der sinkende Progesteronspiegel, der mit einer zyklusabhängigen vermehrten Flüssigkeitseinlagerung in den Brüsten einhergeht.“
Können hormonelle Veränderungen während der Wechseljahre die Brustdichte beeinflussen?
Unter sinkendem Östrogeneinfluss bildet sich das Drüsengewebe nach und nach zurück und wird durch Fettgewebe ersetzt. Wir sagen dazu: „Die Brustdichte nimmt ab“. Als Radiologen freuen wir uns über eine abnehmende Brustdichte, denn das kann die Beurteilung einer Mammographie erleichtern und die Detektion von Brustkrebs und seinen Vorstufen verbessern. Die höhere Brustdichte bei jüngeren Patientinnen ist auch ein Grund dafür, dass wir die Mammographie bei ihnen seltener einsetzten.
Welche Rolle spielt die Mammographie bei der Früherkennung von Brustkrebs?
Die Mammographie ist ein wichtiger Bestandteil der Brustkrebsfrüherkennung. Das Mammographie-Screening hilft Brustkrebs in einem früheren Stadium zu erkennen, also noch bevor die Frau oder der Gynäkologe diesen ertasten können. Studien zeigen, dass seit der Einführung des Screeningprogramms in Deutschland die Brustkrebssterblichkeit bei Frauen in der Altersgruppe von 50–59 Jahren um 29 % und 60–69 Jahren um 24 % gesenkt werden konnte.
Abgesehen vom Screening ist die kurative Mammographie ein wichtiger Bestandteil der Abklärung – vor allem bei einer krankhaften Veränderung der Brust. Stellt sich eine Frau mit einem Tastbefund in der Brust vor, sollte ab 40 Jahren auch eine Mammographie zur weiteren Abklärung erfolgen. Am verlässlichsten ist immer eine Kombination aus Mammographie und zusätzlichem Brustultraschall.
MAMMOGRAPHIE SCREENING PROGRAMM
Wer? Alle Frauen zwischen 50 und 75 Jahren
Wann? Auf schriftliche Einladung, alle zwei Jahre
Wo? In einem Screening Zentrum mit speziell qualifiziertem Personal
Was? Mammographie, kein Arztkontakt, Ergebnismitteilung per Post
Und dann? Weitere Diagnostik bei auffälligem Befund
Die Mammographie wird erst mit dem 50sten Lebensjahr von der Kasse bezahlt und als Untersuchung relevant. Warum? Oder sollte Frau nicht früher zur Vorsorge gehen/können?
Sobald ein Verdacht auf eine mögliche Erkrankung der Brust besteht oder z.B. ein erhöhtes familiäres Risiko bekannt ist, wird eine Mammographie auch schon früher von der Krankenkasse bezahlt. In der Radiologie wird diese dann auch in den allermeisten Fällen mit einer Ultraschalluntersuchung kombiniert, die ebenfalls von der Krankenkasse übernommen wird.
Bezüglich der Altersgrenzen des Mammographiescreenings tut sich aktuell einiges. Während heute Frauen zwischen 50-69 Jahren alle zwei Jahre eine Einladung zum Screening bekommen, wurde ab 1. Juni 2024 der Screeningzeitraum auf Frauen bis 75 Jahre erweitert. Vermutlich wird es im nächsten Jahr eine Absenkung der Altergrenze auf 45 Jahre geben. In vielen europäischen Ländern ist das schon der Fall und wird auch in der europäischen Leitlinie zur Brustkrebsfrüherkennung so empfohlen.
„Die Mammographie ist ein wichtiger Bestandteil der Brustkrebsfrüherkennung. Das Mammographie-Screening hilft Brustkrebs in einem früheren Stadium zu erkennen, also noch bevor die Frau oder der Gynäkologe diesen ertasten können.“
Welche Symptome im Brustbereich sollten Frauen während der Wechseljahre besonders beachten und gegebenenfalls ärztlich abklären lassen?
Frauen sollten einen Arzt aufsuchen, wenn:
– sich die Größe einer Brust verändert
– sich beim Heben der Arme eine Brust anders verformt als die andere
– sich Haut oder Brustwarze an einer Stelle einziehen oder sich die Brustwarze auf andere Weise verändert
– eine Hautrötung im Brustbereich nicht abklingt
– die Haut an einer Stelle wie eine Orange aussieht (Orangenhaut) oder anschwillt
– aus einer Brustwarze klare oder blutige Flüssigkeit austritt
– die „Knotigkeit“ der Brust an einer Stelle zunimmt
– in der Brust oder Achselhöhle Knoten tastbar sind
– Schmerzen an einer Stelle der Brust auftreten.
Die Brust ist auf einmal gewachsen seit der Perimenopause, ist das normal?
Etwa eine von fünf Frauen beobachtet eine Größenzunahme der Brust peri- oder postmenopausal. Studien zeigen, dass hier vor allem eine Gewichtszunahme ursächlich ist.
Wie können Frauen während der Wechseljahre ihre Brustgesundheit am besten unterstützen?
Einige Risikofaktoren für Brustkrebs – wie altersbedingte hormonelle Veränderungen oder genetische Faktoren – sind nicht beeinflussbar. Andere, wie Übergewicht, Alkoholkonsum oder Inaktivität können aber durch einen gesunden Lebensstil minimiert werden.
„Einige Risikofaktoren für Brustkrebs – wie altersbedingte hormonelle Veränderungen oder genetische Faktoren – sind nicht beeinflussbar. Andere, wie Übergewicht, Alkoholkonsum oder Inaktivität können aber durch einen gesunden Lebensstil minimiert werden.“
Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Brustkrebs ist ab den 50sten Lebensjahr möglich, Warum? Hat das was mit den Wechseljahren zu tun?
Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung von Brustkrebs. Die (Peri-) Menopause an sich ist kein Risikofaktor. 95% aller Brustkrebserkrankungen werden bei Patienten über 40 Jahre diagnostiziert. Generell sind Zellen mit zunehmendem Alter anfälliger für Entartung. Im Fall von hormonabhängigen Krebsarten wie Brustkrebs wird bei zunehmendem Alter die Dauer der Östrogenexposition, also die Dauer der fruchtbaren Jahre, als Risikofaktor beschrieben.
Wie stehst du zur HRT in den Wechseljahren?
Ich habe in meiner Brustsprechstunde sehr viele Frauen erlebt, die aus Angst vor Brustkrebs eine HRT kategorisch ablehnen, über die tatsächlichen Risiken und Vorteile aber eigentlich nicht viel wissen. Viele von ihnen leiden sehr unter den perimenopausalen Symptomen und geben eine stark eingeschränkte Lebensqualität an.
Ob in den Wechseljahren eine HRT sinnvoll und richtig ist, muss für jede Frau individuell anhand ihrer Wünsche, Beschwerden und Risikofaktoren abgewogen werden. Wichtig ist mir, dass die Frauen die Risiken einer HRT richtig einzuschätzen wissen und nicht aufgrund veralteter Daten oder reißerischer Schlagzeilen eine angstgetriebene Entscheidung treffen, die Ihnen viele potentielle Vorteile einer HRT verwehrt.
Patienten fragen mich immer, ob ich mich persönlich für eine HRT entscheiden würde und die Antwort lautet: Wenn meine Lebensqualität durch meine Symptome eingeschränkt wäre, dann definitiv ja! Ich sehe übrigens auch neben der symptombezogenen Wirkung viele positive gesundheitliche Effekte einer professionell eingestellten HRT. Darauf möchte ich, wenn es soweit ist, nicht verzichten.
„(…) Wenn meine Lebensqualität durch meine Symptome eingeschränkt wäre, dann definitiv ja! Ich sehe übrigens auch neben der symptombezogenen Wirkung viele positive gesundheitliche Effekte einer professionell eingestellten HRT. Darauf möchte ich, wenn es soweit ist, nicht verzichten.“
Weitere Infos zu Dr. med. Chressen Regier, Radiologin und Spezialistin für Brustbildgebung und Hanne Marie Seidl von Disco Östrogeni findest du hier: Instagram @disco_oestrogeni


