Ein neuer Tag beginnt – aber dein Körper fühlt sich an, als wäre er schon mittendrin.
Du öffnest die Augen – heute endlich mal eine Nacht ohne ständiges Aufwachen. Für einen Moment genießt du die warme Umarmung deiner Bettdecke, denkst an den Traum, der noch sanft nachklingt. Doch kaum bist du gedanklich bei deiner To-do-Liste, kehrt die Realität ein: Zeit, aufzustehen. Du wirfst entschlossen die Decke zurück, setzt die Füße auf den Boden – Au!
Da ist sie wieder, diese morgendliche Steifigkeit. Die ersten Schritte fühlen sich an, als würdest du auf Scherben laufen – stechend, ziehend, schmerzhaft. Deine Gelenke, allen voran Füße, Knie oder Hände, machen dir das Aufstehen schwer. Nach ein paar Bewegungen wird es meist besser – aber leicht fühlt sich anders an. Was ist los mit deinem Körper?
Die Erklärung ist oft dieselbe: Der sinkende Östrogenspiegel in den Wechseljahren betrifft nicht nur Stimmung und Schlaf – auch deine Gelenke leiden. Weniger Östrogen heißt: weniger Schmierung, mehr Reibung, mehr Entzündung. Und jedes zusätzliche Kilo erhöht die Belastung – besonders für Knie, Rücken und Füße.
Doch es gibt Wege, wieder mehr Leichtigkeit in deinen Alltag zu bringen. Ernährung, Bewegung, gezielte Unterstützung und manchmal auch Hormone – vieles kann helfen. Wie genau, das erfährst du hier.
Diese sogenannte „morgendliche Steifigkeit“ ist sehr typisch. Gelenkschmerzen in den Wechseljahren können theoretisch jedes Gelenk betreffen, aber am häufigsten sind sie in den folgenden Bereichen:
- Knie
- Hüften
- Hände und Füße
- Schultern
- Wirbelsäule (einschließlich Nacken und unterer Rücken)
Woher kommen diese furchtbaren Schmerzen?
Ich wiederhole mich eigentlich ungern, denn mittlerweile kannst du es vermutlich kaum mehr hören: Das „böse“ Östrogen, welches einfach so abhaut, ist schuld am Schlamassel – einmal mehr!
Wie sind in diesem Fall die Zusammenhänge?
Östrogen spielt eine Rolle bei der Regulierung der Flüssigkeit, welche die Gelenke schmiert. Die Abnahme des Östrogens verringert auch diese Gelenkflüssigkeit, was zu Reibung und Schmerzen in den Gelenken führen kann.
Niedrigere Östrogenspiegel können auch zu einer Zunahme von Entzündungen im Körper führen, was wiederum Gelenkschmerzen verursachen kann.
Östrogen hilft, abschwellende Prozesse in Gang zu halten, wenn zu wenig Östrogen da ist, wird diese Funktion nicht mehr ausreichend erfüllt, geschwollene und schmerzhafte Gelenke die Folge.
Ein unliebsames Thema in den Wechseljahren: Gewichtszunahme. Mehr Gewicht bedeutet mehr Belastung für die Gelenke, insbesondere für die Knie, Hüften und den unteren Rücken.
Unzureichende Flüssigkeitszufuhr begünstigt einen Anstieg der Harnsäure im Körper, was Entzündungsprozesse fördert und sich wiederum in Gelenkschmerzen zeigen kann.
Ursachen für zunehmende Gelenkbeschwerden können auch Arthrose, Schleimbeutelentzündung, Sehnenentzündung oder speziell am Ellbogen eine bestehende Reizung (Epikondylitis) sein.
„Die Abnahme des Östrogens verringert auch diese Gelenkflüssigkeit, was zu Reibung und Schmerzen in den Gelenken führen kann.“
Was kannst du konkret tun?
Gesunde Ernährung
Eine ausgewogene, basenbetonte Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten ist, hilft Entzündungen zu reduzieren und das Körpergewicht stabil zu halten. Lebensmittel, welche die Harnsäure erhöhen, solltest du meiden. Darunter fallen u. a. rotes Fleisch, Innereien, Geflügelhaut, Gans, Ente, Alkohol, schwarzer Tee, Kaffee, Schokolade.
Bewegung
Regelmäßige Bewegung durch Krafttraining, Dehnübungen und Gehen helfen, die Gelenkflexibilität zu erhalten, die Muskelstärke zu erhöhen und das Gewicht zu reduzieren. Yoga und Pilates können besonders hilfreich sein, um Flexibilität und Stärke zu verbessern, ohne die Gelenke zu belasten. Überbelastungen sind jedoch zu vermeiden, da dies zu weiteren Entzündungsprozessen und noch mehr Schmerzen führt.
Gewichtsmanagement
Das Halten eines gesunden Körpergewichts kann die Belastung der Gelenke um ein Vielfaches verringern und Gelenkschmerzen lindern.
Nahrungsergänzungsmittel
Nahrungsergänzungsmitteln wie Omega-3-Fettsäuren, Glucosamin und Chondroitin, Kurkuma, Grünlippmuschelextrakt, Kollagen, MSM können zusätzlich unterstützen.. Lass dich von einer Fachperson beraten, was in deinem individuellen Fall sinnvoll ist.
Alternative Therapien
Akupunktur, Massage und Wärmetherapie können ebenfalls zur Linderung von Gelenkschmerzen beitragen. Ein Kataplasma (Brei aus Pflanze mit Tuch aufgetragen) kann Lokal gegen Entzündungen helfen, bei Entzündungen zum Beispiel mit Leinsamen.
Schlaf und Stressmanagement
Schlechter Schlaf und hoher Stress können Symptome der Wechseljahre verschlimmern, ja auch Gelenkschmerzen. Gute Schlafhygiene und Entspannungstechniken wie autogenes Training und Meditation können hilfreich sein.
Natürlich will an dieser Stelle auch die bioidentische Hormontherapie nicht unerwähnt bleiben. Es ist ein logischer Schritt, das fehlende Östrogen zu substituieren. Selbstverständlich nach Absprache und mit Begleitung deiner Gynäkologin.
Es ist wichtig, bei anhaltenden oder schweren Gelenkschmerzen medizinischen Rat einzuholen, um andere mögliche Ursachen auszuschließen und die beste Behandlungsstrategie zu entwickeln.
Ich war mit 41 Jahren und einem 2-jährigen Kind davon betroffen. Nachdem ich mit der Hormontherapie startete, wurden meine Schmerzen innerhalb kurzer Zeit sehr viel besser, wenn sie auch nicht ganz verschwunden sind. Auch hier gibt es kein Patentrezept, probiere aus, bleib dran, bis du gefunden hast, was dir hilft. Ein (möglichst) schmerzfreies Leben ist so viel angenehmer!
„Nachdem ich mit der Hormontherapie startete, wurden meine Schmerzen innerhalb kurzer Zeit sehr viel besser, wenn sie auch nicht ganz verschwunden sind. Auch hier gibt es kein Patentrezept, probiere aus, bleib dran, bis du gefunden hast, was dir hilft“
Wer kann uns Frauen in der Menopause unterstützen und aufklären? Dr. Google? Nein, Nadja! Sie ist ausgebildete Wechseljahreberaterin und Lifecoach. In ihrer Arbeit und auf dem Blog www.ohneregel.de konzentriert sie sich auf drei wichtige Säulen: Wissen über die Wechseljahre, auf die Symptome, die persönliche Entwicklung und Entspannungstechniken.
Fotos: www.flaticon.com, www.ohneregel.de


